Deutschland befindet sich 2011 in einem echten Superwahljahr. Hamburg hat den Reigen mit seiner Bürgerschaftswahl im Februar eröffnet, gefolgt von der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie der Kommunalwahl in Hessen im März. Im Mai fand dann die Wahl zur Bremer Bürgerschaft statt und im September wird es weitergehen mit der Landtagswahl in Mecklenburg sowie den den Kommunalwahlen in Niedersachsen und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin
Bei den bisherigen Wahlen dieses Jahr war allerdings eines sehr auffällig: Egal ob es sich um Bürgerschafts- oder Landtagswahlen handelte, immer fiel die Wahlbeteiligung mehr als spärlich aus. Es scheint, als hätten die Bundesbürger das Interesse an der Politik verloren. Laut einer Studie des TNS-Emnid Meinungsforschungsinstitutes ist dies jedoch nicht der Fall. 81 Prozent der Deutschen halten sich nicht für politikverdrossen und würden sich sogar eine aktivere Einmischung in politische Entscheidungen wünschen, wenn sie sich direkt demokratisch mittels Volksbegehren oder Bürgerentscheide daran beteiligen könnten. Besonders bei Veranstaltungen und Demonstrationen gegen die Atomkraft zeigt sich großes Interesse. Im Stromvergleich galt der Strom aus Kernkraftwerken zwar lange Zeit als günstig und klimafreundlich, doch nicht erst seit dem Reaktorunglück in Fukushima ist klar, wie wichtig ein Umdenken ist.
Das haben auch die Politiker begriffen und so wird schon lange über ein Atomausstieg diskutiert, über dessen tatsächliches Durchsetzen die politischen Lager allerdings tief gespalten sind. Oft heißt es, dass ein vollständiges Umsatteln Deutschlands auf erneuerbare Energien einer Bankrotterklärung gleichkomme, da umweltfreundliche Energien wie Wind- oder Wasserkraft zu teuer wären und Deutschland so ins Wettbewerbsaus drängen würden. Allerdings wird schnell klar, dass das nicht stimmt. Schaut man sich einen Strompreisvergleich der verschiedenen Stromanbieter an, zeigt sich, dass viele Ökostromtarife kostengünstiger angeboten werden als herkömmliche Energien. Hier halfen nicht zuletzt die massiven deutschlandweiten Proteste und die vielen Stromverbraucher, die privat zu einem Ökostromanbieter gewechselt sind, die Politiker unter Druck zu setzen und dementsprechend handeln zu lassen.