Der Wahl-O-Mat ist eine interessante Erfindung. Wer vor einer so wichtigen Wahl, wie der diesjährigen Bundestagswahl noch nicht genau wusste, für welche Partei er sich letztendlich entscheiden sollte, konnte anhand des Wahl-O-Mats die Thesen der verschiedenen Parteien gegenüberstellen und so erkennen, welches Wahlprogramm den eigenen Vorstellungen am ehesten entspricht. An sich eine tolle Sache, wären da nicht die teilweise völlig verblüffenden Ergebnisse gewesen.
Wie kann es möglich sein, dass das Wahlprogramm der Linken dem der NPD derartig ähnelt, dass beide Parteien fast auf demselben Rang in der Ergebnisliste landen? Schließlich handelt es sich um zwei Parteien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Viele Nutzer des Wahl-O-Mats erhielten so unglaubliche Ergebnisse und waren nach der Auswertung noch verwirrter als zuvor. Vielleicht war dies sogar beabsichtigt. Denn wer wählt, sollte schon wissen, warum er sich für eine bestimmte Partei entscheidet. Wenn die Ergebnisse des Wahl-O-Mats zumindest einen Teil der Wähler dazu animiert haben, sich intensiver mit dem Thema Politik auseinander zu setzen, wurde trotz verwirrender Ergebnisse etwas sehr Positives bewirkt.
Nach der Wahl ist vor der Wahl. Das sollten die Politiker eigentlich wissen. Doch, wenn man sich jetzt mal die aktuelle Bundestagswahl, die ja gerade erst über die Bühne gegangen ist, einmal so anschaut, so muss man sich bereits jetzt, nach so kurzer Zeit fragen, wo denn das eine oder andere Wahlversprechen plötzlich hin ist.
Hat die FDP nicht groß getönt, sie wolle an dem Ausstieg aus der Atomenergie unbedingt festhalten? Die CDU hat dazu ihre Einstellung klar gemacht. Sie sieht die Atomenergie als Übergangslösung für eine gewisse Zeit. Die Spitze der FDP befand dies als eine Lösung, die von den Liberalen keinesfalls akzeptiert würde. Nun befindet man sich aber, der Wähler hat dies so festgelegt, mit der CDU in der Koalition. War es also nicht klar, dass der eine oder andere Koalitionspartner Kompromisse eingehen muss. Wie die letzten Meldungen der Medien lauten, tut dies wohl in der Frage der Atomenergie die FDP gerade. Wie man hörte, wolle man sich darauf einigen, dass die Atomenergie tatsächlich als Übergangslösung bestehen bleibe. Aber man einigte sich darauf, dass es für die Atomkraftwerke neue Sicherheitsrichtlinien und –Maßnahmen geben solle. Was nun letztlich daraus wird, bleibt sicherlich abzuwarten. Aber auf den ersten Blick scheint es schon so, als wäre die FDP in dieser Frage erst einmal ein Stück zurückgerudert. Und auf den zweiten Blick kann dies auch durchaus so sein. Gut, man bekommt ja als Wähler nicht wirklich etwas von den Koalitionsverhandlungen mit, sondern immer nur das, was dann durch die Medien unter´s Volk gebracht wird. Aber dass weder der eine noch der andere Koalitionspartner seine Forderungen komplett durchsetzen wird, dürfte wohl auf der Hand liegen. Der Wähler darf also auf weitere Kompromisse gespannt sein.
Deutschland hat gewählt. Aber was war das für eine Wahl? Hat überhaupt irgendjemand den Wahlkampf wahrgenommen? Es schien doch eher ein freundschaftliches Geplänkel zwischen den beiden Koalitionspartnern, die ja nun schließlich auch vier Jahre miteinander gearbeitet hatten. Gerade in der Elefantenrunde kam es bestenfalls zu einem leichten Beschnuppern, aber von verbalen Auseinandersetzungen keine Spur.
Die beiden Kontrahenten, Frau Merkel und Herr Steinmeier, hielten sich vornehm zurück. Anders waren da schon die Parteimitglieder, die vor der Wahl von den Medien zu allerlei Dingen hinsichtlich der Wahlversprechen gefragt wurden. Aber trotzdem war dies ein Wahlkampf, der von der Bevölkerung kaum wahrgenommen wurde. Das wäre an sich ja gar nicht so schlimm gewesen. Aber letztlich kommunizierten die Politiker nicht nur keine Präsenz, sondern auch keine Inhalte. Zumindest haben dies die Bürger wohl so wahrgenommen. Zwar werden viele Wahlentscheidungen über die Person, die kandidiert, entschieden, aber das Eine oder Andere an Inhalt wäre nicht schlecht gewesen.
Wie soll man sich als Wähler auch sonst ein Bild machen? Nur über die Sympathie oder Antipathie für einzelne Politiker läuft kein Wahlkampf. Und genau diese sind uns die Spitzenkandidaten meist schuldig geblieben. Wenn denn aber doch einmal ein paar Inhalte kommuniziert wurden, so musste man sich als Wähler fast schon fragen, ob die Kandidaten dies tatsächlich so meinten, wie sie es sagten, so unrealistisch waren stellenweise die Forderungen. Aber gut, auch diese Wahl hat Deutschland wieder einmal hinter sich gebracht.
Das Volk hat einer der großen sogenannten Volksparteien eine klare Abfuhr erteilt. Letztlich lag das vielleicht an dem recht unerfahrenen Spitzenkandidaten, vielleicht aber auch ein bisschen am Wahlprogramm, das in Teilen eben doch zum Wähler durchgedrungen war.